Kaninchen

Herkunft

Unsere heutigen Hauskaninchen stammen von den Wildkaninchen ab, die ursprünglich im südwestlichen Europa beheimatet waren und mittlerweile über ganz Europa verbreitet sind. Die Wildkaninchen leben in engen Familienverbänden mit strengen Hierarchien. Mehrere Familien schließen sich zu Kolonien zusammen. Die Tiere graben weit verzweigte Röhrensysteme mit mehreren Eingängen. Zu den natürlichen Feinden zählen Bussard, Habicht, Fuchs, Marder oder Wiesel. Oft werden Kaninchen mit Hasen verwechselt, aber in Wirklichkeit sind es zwei vollkommen verschiedene Tierarten, die sich in ihren sozialen und körperlichen Eigenschaften unterscheiden. Kaninchen und Hasen sind nicht miteinander verwandt!

Artgerechte haltung

Bei der Haltung von Kaninchen sollte man sich an dem Verhalten der Wildkaninchen orientieren und versuchen, die Grundbedürfnisse in seiner Heimtierhaltung zu bieten. Auch wenn unsere heutigen Hauskaninchen vom Aussehen her nicht mehr viel mit dem des Wildkaninchen zu tun haben, sind es eben immer noch Kaninchen, die die gleichen Grundbedürfnisse haben, wie ihre wilden Verwandten.

Kaninchen leben in großen Familienverbänden und sind sehr sozial, was also eine Einzelhaltung eines Kaninchens vollkommen ausschließt. Ein Mensch oder ein Meerschweinchen kann einen Artgenossen niemals ersetzen! Ein einzeln gehaltenes Kaninchen leidet unter dem fehlenden Sozialkontakt, wird träge und oftmals auch aggressiv. Egal wie groß das Gehege ist, eine Einzelhaltung kann niemals artgerecht sein! Kaninchen sind sehr bewegungsfreudige Tiere, was sich gut in freier Wildbahn beobachten lässt. Die Tiere laufen nicht einfach, sondern machen hohe Luftsprünge oder schlagen Haken. Oft wird dies aus reiner Lebensfreude gemacht, ohne ein Ziel zu verfolgen.

Die reine Käfighaltung in einem Standardkäfig kann also nicht artgerecht sein. So ein Käfig sollte eher als Rückzugsmöglichkeit anstatt als Dauerbehausung dienen. Man sollte versuchen, seinem Kaninchen so viel Platz wie möglich zur Verfügung zu stellen. Ein Richtwert für ein Kaninchen ist zwei Quadratmeter, die dauerhaft zur Verfügung stehen sollten. Es gilt wie bei fast allen Tierarten, je gößer desto besser. Zu den Grundbedürfnissen der Kaninchen gehört auch das Graben von Höhlen und Gängen. Diesem Bedürfnis kann man am besten in einem Freigehege entgegenkommen. Es ist schön zu sehen, wie Zwergkaninchen oft im Teamwork tiefe Gänge graben und so die Gestaltung ihres Geheges in eine Hügellandschaft selbst übernehmen. Graben und buddeln ist eine wichtige Beschäftigung, die auch in der Wohnungshaltung ermöglicht werden sollte. Man kann eine große Kiste oder Schüssel mit Sand, Erde, usw. füllen und den Kaninchen in ihren Bereich stellen. Solche Buddelkisten werden meist sehr gut angenommen.

Auch wenn Kaninchen zoologisch gesehen nicht zu den Nagetieren, sondern zu den Hasenarten gehören, ist Nagen eines ihrer Grundbedürfnisse. Dieses Verhalten ist ihnen angeboren und lebensnotwendig, damit sich ihre Zähne, die ein Leben lang wachsen, abnutzen. Kaninchen brauchen also stets Nagematerialien, die man in Form von Zweigen, Ästen, Wurzeln oder Rindenmaterial immer anbieten sollte. Schauen Sie mal rein unter http://www.botanikus.de/botanik3/tiere/tiere.html .Brot ist zu diesem Zweck nicht geeignet.

Kaninchen sind von Natur aus Höhlenbewohner, die bei Gefahr blitzchnell in ihre Höhlen flüchten. Sie brauchen also eine Hütte oder einen Stall als schützende, trockene Höhle, in die sie sich bei Gefahr zurück ziehen können. Man sollte neben der Hütte noch verschiedene andere Rückzugsmöglichkeiten in Form von umgeklappten Holzkisten, Steinhaufen, hohlen Baumstämmen oder großen Ästen anbieten. Viele Rückzugsmöglichkeiten bringen Sicherheit und auch Aussichtspunkte.

Naturnahe Ernährung

In freier Natur nehmen Kaninchen Gräser, Kräuter und Gemüseblätter und Wasser in Form von Tau zu sich. Getreidekörner gehören hingegen nicht zu ihrer natürlichen Nahrung. Die im Handel angebotenen Fertigfuttermischungen bestehen zum größten Teil aus Weizen- oder Haferkörnern, die für den Halter anschaulich in Pellets, bunten Knabberstangen oder kleinen Drops verpackt sind. Diese viel zu stärkehaltigen Futtermittel wirken sich auf Dauer schlecht auf die Gesundheit der Tier aus. Sie bekommen Übergewicht, chronische Durchfälle oder Trommelsucht. Die Grundnahrung sollte immer aus täglich frisch gereichtem Heu bestehen, dazu sollten verschiedene Gemüse, Kräuter und Obst gereicht werden. Wasser sollte immer frisch zur Verfügung stehen.

Krankheiten und Vorsorge

Die häufigsten Erkrankungen bei Kaninchen sind Erkrankungen des Verdauungstraktes, die meist auf eine falsche Ernährung zurückzuführen sind. Schnupfen ist auch ein immer wieder auftretendes Problem, das man nur von einem Tierarzt behandeln lassen sollte.

Durch Überzüchtungen treten immer mehr Zahnfehlstellungen auf. Hierbei nutzen sich die Zähne nicht so schnell ab, wie sie nachwachsen und müssen regelmäßig von einem Tierarzt gekürzt werden. Zu den ansteckenden und gefährlichen Kaninchenkrankheiten zählen die Myxomatose und die Chinaseuche (RHD). Beide Krankheiten enden meist tödlich. Der einzig wirksame Schutz besteht aus einer Vorsorgeimpfung. Derzeit ist gegen beide Krankheiten eine jährliche Impfung möglich. Da sich die Impfintervalle durch verbesserte Impfstoffe stets ändern können, fragen Sie hierzu auch Ihren Tierarzt. Ggfls. ist auch eine Impfung gegen Kaninchenschnupfen anzuraten.

Kaninchen sind Meister im Verstecken von Krankheiten; oft bemerkt man die Krankheit erst, wenn es schon fast zu spät ist. Es empfiehlt sich, die Tiere zweimal im Monat genauer zu untersuchen. Zu dieser Untersuchung gehören das Wiegen, Kontrolle der Zähne, Kontrolle der Krallen und die des Afters auf eventuellen Durchfall. Bei einer Auffälligkeit sollte man den Tierarzt aufsuchen.

Buchtipp

Morgenegg, Ruth; Artgerechte Haltung, ein Grundrecht auch für (Zwerg-)Kaninchen; 3. überarb. Aufl. 2003; ISBN 3-9522661-1-6; 22,00 Euro

Anika Wohlfahrt

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